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Update : Deutsche Bundeswehr: Das Personalproblem ist schlimmer als das Material. Es ist ein politisches Desaster!

Königspalast in Kabul Afghanistan, rs/mcvth, 2006, kasaan media, 2019

Update: Da sich seit dem Originalerscheinungstag nur die Verantwortung der Ministerin, aber nicht die Zustände, wollen wir auf diese eklatanten Missstände nochmals hinweisen.
In diesem Fall kann man es gar nicht oft genug.
Bei Soldaten geht es schlicht ums Überleben.

Die Reichswehr ist das Schreckgespenst in Deutschland, da sie als Staat im Staate galt.

Diese politischen und gesellschaftlichen Kräfte sagen auch der Bundeswehr nach, ein Staat im Staate zu sein. Und sie haben recht, nur anders als sie glauben. Und das ist in mehrerer Hinsicht fatal.

Die Reichswehr war ein Staat im Staate. Mit kriegsgedienten 100.000 Mann und ohne Nachwuchsproblem. Im Gegenteil. Die Reichswehr war hochangesehen, geführt von hochdekorierten Offizieren und Unteroffizieren und einem beim durchschnittlichen Volk gewaltigen Ansehen, das trotz Niederlage im Krieg, ungebrochen war. Die Reichswehr galt als Garant der Verfassung. Als Schutzschirm des Landes vor Radikalen. Und diese wurden damals dem Zeitgeist folgend vornehmlich im radikalen Sowjetstaat und seinem ausufernden Straßenterror gesehen, der als heute oft Klassenkampf verklärt wird.

Als national-konservative Kräfte – u.a Freikorps – gegen diese „Arbeiterarmeen“ zu den Waffen griffen, weigerte sich die Reichswehr, auf diese zu schießen. Der Ausspruch „Reichswehr schießt auf Reichswehr nicht“ (Zitat Generaloberst von Seeckt) ist zum Schreckgespenst verkommen. Und in dieser Tradition sieht man auch die Bundeswehr.

Und diese Bundeswehr ist nun auch ein Staat im Staate. Nur halt etwas anders aufgestellt. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist da, wenn auch mit starken Einschränkungen bis hin zu bloßen Lippenbekenntnissen. Die Masse sieht sie als bewaffnetes Technisches Hilfswerk (THW), unterstellt ihr nur gescheiterte Existenzen und Zivilversager zu beherbergen und ansonsten ist es der Bevölkerung egal, solange sie nicht von der Bundeswehr in den persönlichen Befindlichkeiten gestört wird. Das können auch schon Kolonnen von Lkw oder einfach nur mal ein vorbeifliegender Hubschrauber sein.

Brecht sagte einmal: „Jedes Land hat eine Armee. Wenn nicht die eigene, dann eine fremde…“
Das stimmt. Und manchmal schafft es auch ein Land, die eigene Armee zu einer fremden zu machen. Und hier setzt dann das Personalproblem an.
Die Bundeswehr kommt von 495.000 Mann zzgl. 180.000 Mann Zivilbeschäftigte auf das, was jetzt offiziell ausgelobt wird.
Die Bundeswehr umfasst aktuell 53.172 Berufs- und 119.893 Zeitsoldaten (Gesamt: 173.065) sowie 8.447 Freiwillig Wehrdienstleistende (Durchschnitt 2018: 8.408)

Das sieht auf dem Papier nett aus und das vordringliche Problem fällt kaum auf, aber 8.400 freiwillig Wehrdienstleistende sind nicht das, was die Bundeswehr braucht, um funktionsfähig zu bleiben.

Früher rekrutierte sich ein erheblicher Umfang aus den Wehrpflichtigen. Diese, quasi per Gesetz zwangsrekrutiert, fanden mitunter Gefallen an den Möglichkeiten der Bundeswehr. Sich fort- und weiterbilden zu können, sogar studieren zu können und vielleicht auch der Enge ihres bisherigen Lebens zu entkommen. Nahmen oft die bessere Bezahlung zu ihren Ausbildungsberufen an. Oder legten zwei, vier, acht oder zwölf Jahre nach, um in wirtschaftlichen Krisenzeiten die Familiengründung zu erleichtern.
Für die Bundeswehr hatte das gleich mehrere Vorteile. Sie bekam ausgebildete Wehrpflichtige, die sofort auf diverse Stellen einplan- und ausbildbar waren. Gestandene Männer (damals…), die nun schon Soldat waren, den Betrieb kannten und sich als Bürger in Uniform bewährt hatten. Man kannte sie. Auch unter Belastung, in Stresssituationen und wenn es mal – auch persönlich – hart wurde.



Dingo Afghanistan, Bibi Mahro Hill, kasaan media, 2019
Dingo Afghanistan, Bibi Mahro Hill, rs/ mcvth 2006, kasaan media, 2019

Und diese Leute aus der Wehrpflicht sorgten dann ganz nebenbei für frischen Wind, wie die Wehrpflicht überhaupt. Junge Menschen aller Schichten und Ausbildungen wurden zusammengewürfelt und sorgten in ihren Einheiten/Verbänden für den Zivilkontakt. Ganz wichtig für eine Bürgerarmee.
Der Staat im Staate à la Weimar entstand durch die 25-jährige Mindestverpflichtungszeit der Soldaten. Damit wollte man langfristig den personellen möglichen Aufwuchs der Reichswehr beschränken.
Doch da Ursache und Wirkung im deutschen politischen Dialog gern der Ideologie weichen, wurde dieser Aspekt der Wehrpflicht völlig ausgeblendet, als diese abgeschafft wurde.
Karrieristen wie Opportunisten im Ministerium wie höheren Stäben protestierten halbherzig bis gar nicht. Beratergetrieben – und hier war Roland Berger als Unternehmen damals führend dabei – wurde die Wehrpflicht wirtschaftlich beleuchtet und als zu teuer bewertet. Sozialpädagogisch wurde der Wegfall niemals quantifiziert. Weder für die Gesellschaft, die mit Wehr- und Ersatzdienst hier auch als eine gesellschaftliche Teilhabe – durchaus auch persönliche Opfer – erbringen musste noch für die Armee, die nun allgemeines (und zwangsrekrutiertes) frisches Blut gegen geneigtes (!) frisches Blut ersetzen musste. Den Anfangskonflikt gegen den Anfangskonsens zu Beginn des Soldatendaseins ersetzen. Letzteres schafft kein System wie es sich Ralf Dahrendorf gewünscht hätte. Es prallten keine Welten aufeinander, sondern Neigungsgruppen verschiedener Stärke auf Konsensbasis.

Am Hindukusch Nichts Neues, Cover, kasaan media publishers, 2016
Am Hindukusch Nichts Neues, Cover, kasaan media publishers, 2016

So etwas fördert den Staat im Staat.

Doch mit der Wehrpflicht verschwand dann auch etwas Weiteres, was völlig unbedacht war. Eine breite gewachsene Akzeptanz bei Millionen von Menschen. Man nörgelte zwar, fand die Zeit verschenkt, fluchte über die Komissköppe, aber erinnerte sich immer gerne an die Kameradschaft, die fordernden Gemeinschaftserlebnisse und auch an die ein oder andere angenehme Stunde, die in Erinnerung blieb. In Bundeswehr wie auch NVA, die hier seit 1990 dazugehört, Teil der deutschen Streitkräfte war und ist.
Der ehemalige Wehrpflichtige war ein zahlenmäßig großer Faktor für das, was heute nach innen CI (Cooperate Identity) heißt und über den Zaun weg die Außendarstellung ausmachte. Ehemalige Soldaten wurden zu Meinungsträgern. Multiplikatoren. Ihre Erzählungen wurden geglaubt. Nein, man schrubbt nicht mit der Zahnbürste die Toiletten. Und nein, natürlich geht man nicht für den Spieß privat einkaufen. Und nein, Spinde werden bei der Kontrolle nicht umgekippt. Und, und, und.
Das Gleiche galt dann für die Reservisten. Es gab Millionen davon seit Entstehung der Bundeswehr. Der Verteidigungsumfang im Krieg wäre 1,2 Millionen gewesen. Die Bundeswehr wäre im Ernstfall, so wurde damals der Krieg euphemistisch umschrieben, um 700.000 Mann schnell angewachsen. Material, Waffen und Gerät wären dafür eingelagert und funktionsfähig da!

Waffen aus zahllosen Kriegen, rs/mcvth, kasaan media, 2019
Waffen aus zahllosen Kriegen, rs/mcvth, kasaan media, 2019
(büro Köln/rs)

Und diese Reservisten wurden dann nach 1990 ebenfalls zurückgefahren. Als entbehrlich betrachtet. Man unterschied im Personalwesen sogar immer mal wieder gern zwischen Reservisten, der alten Armee, die den „großen vaterländischen Krieg“ noch hätten führen sollen, und der neuen Armee, deren Reservisten weniger gelände- dafür aber mehr IT-tauglich sein sollten. Ein nettes Argument, um eben zu glauben, dass man auf diese Menschen leicht verzichten könne, da die Computer förmlich mit Reservistendateien überquollen. Man auf jede Stelle zehn zur Auswahl hatte.

Und wie immer, wenn Überfluss herrscht, kommt beim Menschen Arroganz, Behäbigkeit und ein träger Geist hinzu. Die Reserve als Botschafter in Wirtschaft und Gesellschaft wurde genauso ton- und kommentarlos über Bord geworfen, wie die Wehrpflicht auch. Verkannte den Reservist als Botschafter aber auch als quasiaktives Bindeglied überall dahin, wo der Soldatenberuf zunehmend eine andere Wahrnehmung erfuhr. Vom Verteidiger hin zu. überflüssig. Außer natürlich wenn das Wasser in Flüssen steigt, der Schnee liegt höher und anderen temporalen Befindlichkeiten ziviler Wahrnehmung von Problemen sich individuell aufdrängen.

Dann wurde sogar die viel zu geringe Stärke – vor Ort – moniert.

Nachdem nun Wehrpflichtige und Reservisten als Botschafter ausfielen, die realen Einsätze ein immer beliebteres Mittel zur politischen Profilierung einzelner Regierungen oder Ministerien zunahmen, wurde die Personaldecke enger. Denn Freiwillige wogen den Wert ihres nun möglicherweise real gefährdeten Lebens gegen den Sold ab. Zumal die Hinterbliebenenversorgung damals noch in den Kinderschuhen steckte. PTSS auch nicht zu unterschätzen war. Und die Gesellschaft auf die „üppigen“ und steuerfreien Gefahrenzuschläge verwies. „Ihr müsst in den Krieg? – OK. Ihr werdet doch gut bezahlt…“
Nicht das, was man als Soldat hören will.
Knapp 100 Euro netto am Tag mehr, machen nach wie vielen Tagen ein abgerissenes Bein aus?
Ein lebenslanges Trauma?
Oder den Tod an sich?
Soldaten sind auch nicht blöd. Die können rechnen. Ich kenne nicht wenige, die sich weigerten in Einsätze zu gehen. Oder im Einsatz das „sicher“ PRT (befestigtes Lager) nicht verlassen wollten. Bis hoch zu Stabsoffizieren.
Dann die Gerüchte über ungeeignete Führungsstrukturen, alleingelassenen Patrouillen und Einheiten (Kunduz, Baghlan, Taloqan), fehlende Munition, schlechte Ausrüstung und zu wenig vorrätige Blutkonserven.

General Markus Kneip.jpg
Von isafmediaFlickr: [1], CC BY 2.0, Link

Der Einsatzsoldat war zum Teil ein schlechter Botschafter. 90.000 dienten allein in Afghanistan. Wohl die dreifache Anzahl insgesamt in allen Einsätzen als Veteranen.

Und allein dass jeder Soldat sich nun gemäß Ministerentscheid Veteran nennen darf, der jemals durch ein Kasernentor gestolpert ist – unabhängig, ob er auch nur einen Tag im real Einsatz war(!!!) – zeigt die Realität auf, die Bewerber auch wahrnehmen. Und Reservisten. Und die Gesellschaft an sich.
Dazu kommt, dass inzwischen jeder Soldat einen Kameraden kennt, der gefallen oder verwundet wurde. Gegen Gegner, gegen die man gemäß dem damaligen Minister Peter Struck (SPD) auch am Hindukusch zu verteidigen hat. Nur kommt dieser Gegner dann auch gern mal nach Deutschland. Als schützenswerter Asylant. Taliban erhalten in Deutschland Asyl.

Am Hindukusch Nichts Neues, Cover, kasaan media publishers, 2016
Am Hindukusch Nichts Neues, Cover, kasaan media publishers, 2016

Da fragt sich dann der gut informierte Bewerber, warum er denn am Hindukusch gegen Taliban kämpfen soll, wo er/sie diese doch als Asylant schützt. Vor wem denn?
Diese Frage in Relation zu den möglichen persönlichen Gefährdungen fällt gerade in wirtschaftlichen Boomphasen nicht zu Gunsten der Bundeswehr aus. Und blöderweise, aus Bundeswehrsicht des Personalamtes, war der Aufschwung seit 2008 stabil. Sehr stabil.
Der nächste Punkt ist das Angebot der Bundeswehr an sich. Mögliche Bewerber mögen auch, nicht nur, die Kernaufgabe einer Armee. Warum auch nicht? Wer Mechatroniker werden will, darin seine Profession erkennt, der will dann auch an „schönen“ Autos arbeiten dürfen. Können.
Und da sieht es eng aus. Zwanzig Jahre Minderbewirtschaftung, Dauertransformationen und fehlende Ressourcen haben einen Materialpark geschaffen, der rein gar nichts mehr mit „schönen Autos“ zu tun hat. Schon gar nicht in der Fläche. Und das, was da neu kommt, sieht der Soldat erst im Einsatz – noch nicht mal in der Ausbildung für den Einsatz(!) – oder halt auf Bildern.

Neue PUMA-Panzer rollen von der Übergabe gleich in die Instandsetzung. Egal was in den letzten zwanzig Jahren zum Fliegen beschafft wurde fliegt nicht richtig, U-Boote schwimmen zwar, tauchen/taugen aber nicht, und Fregatten kommen mit schon 1,5 Grad Schlagseite neu aus der Werft. Das spricht sich rum.

Es ist zwar nicht so, dass man wie die Reichswehr mit Holz-Panzerattrappen auf Fahrrädern ins Feld zieht, aber das letzte Manöver in Norwegen hat die realen Grenzen sichtbar werden lassen. Noch nie wurde eine deutsche Armee in der Fläche so ausgeplündert, um ein paar tausend Mann nach jahrelanger Planung und Vorbereitung voll ausgestattet irgendwohin schicken zu können.

Auch das wurde wahrgenommen. Von Teilnehmern frisch berichtet.
Dass in diesem Zusammenhang die Personalgewinnung schwierig ist, ist folgerichtig. Zumal fehlendes Gerät auch zunehmend noch die Ausbildung an sich gefährdet. Piloten ohne Flugstunden verlieren ihre Lizenz. Und ein Pilot am Boden ist wenig werbewirksam.
Da helfen dann auch keine preisgekrönten YouTube-Formate wie Mali oder Die Rekruten. Film und Realität klaffen weit auseinander.

Dann kommt in Deutschland die öffentliche und gesellschaftlich ignorierte Sabotage, anders kann man es schon nicht mehr nennen, da das Wort Zersetzung dazu nicht mehr reicht, hinzu, der die Bundeswehr in Werbemaßnahmen behindert. So durfte die Bundeswehr nicht an einer Bewerbermesse teilnehmen. Major i.G. Marcel Bohnert, ein überaus engagierter, fähiger und kreativer Offizier, stellte den Stand vor die Messe! Ein klarer Fall für die Medien die Personalwerbung für die Bundeswehr insgesamt und umgehend auf den Prüfstand der Moralität zu stellen.

Dass so kaum eine vernünftige Personalwerbung möglich ist, sollte jedem denkendem Menschen klar sein. Nur nicht dem Parlament, denn das schlug zum großen Teil in die gleiche Kerbe wie die Presse, sendet aber immer gern neue Truppenkontingente in die weite Welt hinaus.

Und hier zeigt sich das nächste Manko: selbst das Parlament sieht in der Bundeswehr ein besseres Lippenbekenntnis. Die versprochene Trendwende in Personal- und Materialausstattung findet jetzt nicht statt. Milliarden fehlen und wie immer spart man an der Bundeswehr. Aber ohne ihre Aufgaben zu verringern. Diese steigen jährlich. Auch das ist Bewerbern bekannt. Die Chance auch mehrmals in den Einsatz zu müssen steigt nicht nur, sie ist real da. Einsatzorden werden in den Stufen Bronze, Silber und Gold verliehen. Abhängig von der Stehzeit im Einsatz. Und über 600 Tage für Gold ist kein wirklicher Anreiz um das in Relation zur eigenen Gefährdung positiv zu sehen.
Zumal diese Orden bei eBay frei zu kaufen sind und Karnevalscharakter haben. Ganzjährig.

Zwanzig Jahren des personellen Missmanagements, der ignoranten bis arroganten Art der Verantwortlichen mit Wehrpflicht und Reserve so umzugehen wie gezeigt, opportunistisches Ja-Sagertum und die Weigerung, aktiv gegen gesellschaftliche Kräfte vorzugehen, die nahe der Straftat der Zersetzung agiert haben, haben die Bundeswehr in das gesellschaftliche Abseits gleiten lassen.



Aus diesem politisch geförderten Abseits wieder herauszukommen dürfte als aussichtslos zu bezeichnen sein. Zumal auch Kritik in den eigenen Reihen nicht gerade gut aufgenommen, wenn auch aktiv eingefordert wurde, wie Major Marcel Bohnert selbst erleben durfte. Diesen Mann nun für die Personalgewinnung der Bundeswehr medienwirksam in den Vordergrund zu schieben, ist von den Machern so klever wie heuchlerisch zu bewerten.

Man hat richtig erkannt, proaktiv und exant handeln zu müssen. Medial gut aufgestellt und ansprechend zu sein. Millionen werden in diese Maßnahmen gesteckt, von Beratern unterstützt, die hier ihr Geld auch wert sind. Nur kommt es nicht so an, dass man es … sieht. Weder in den Bewerberzahlen für Zeitsoldaten, noch bei den freiwillig Wehrdienstleistenden.
Und da helfen auch kein WLAN in Kasernen, Einzelstuben und/oder neue Versprechungen. Und schon gar nicht die als verzweifelt zu nennende Idee, Ausländer zu beschäftigen!! Quasi als Söldner einzustellen, weil hier keiner mehr da ist, der bereit dazu ist für sein Land zu dienen. Eine Demokratie, deren Bürger nicht bereit sind für eben diese Demokratie zu dienen, zu kämpfen (!), verspielen das, was die Französische Revolution als Bürgerheer sah und wir als Bürger in Uniform sehen wollen. Ein Staat, der sich auf ausländische Söldner verlassen muss, wird untergehen. All diese Staaten sind untergegangen. Zu Recht.
Und wenn das Personalproblem der Bundeswehr nur durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht und der zugehörigen Ersatzdienste klappt, dann ist diese bittere Pille zu schlucken. Auch das ist Teil des demographischen Wandels an sich. Der Überfluss ist weg. Kommt nicht wieder. Die Dateileichen in den Computern der Bw-Personaler werden auch älter. Sterben aus. Die sieben fetten Jahre sind vorbei. Jetzt kommen die mageren Jahre. Und ob das ein biblischer Einschnitt wird hängt davon ab, wie sich Gesellschaft und Politik aufstellen, um dem zu begegnen.

Nur eines ist sicher: Allein und auf sich gestellt, wird die Bundeswehr ihr Personalproblem nicht mehr lösen können. Dazu bedarf sie unser aller nachhaltiger und andauernder Unterstützung. Der von Gesellschaft, dem Staat und auch und vor allem der der Politik!
Nachdem wir die Ja-Sager, Opportunisten und Karrieristen in der Bundeswehr konsequent losgeworden sind. Die Trendwende muss auch personell vollzogen werden. Wie einst die „vaterländischen Krieger“ im Zeitalter der IT überflüssig erschienen, so sind jetzt die berateraffinen, politisierenden und die Realität verkennenden Entscheidungsträger überflüssig, die Powerpoint mehr glauben als dem geübten Blick aus dem Fenster raus. Wo sich in Sichtweite Schrott stapelt. Der Mangel offensichtlich ist. Wo das Herz einer Gesellschaft (wieder) zu erobern ist, die schlicht vergessen hat, warum eine eigene Armee so wichtig ist. Man sie diesbezüglich „auch nicht informiert gehalten hat“. Ein explizit gewählter Euphemismus des Autors für den Ausdruck „politisch gewollt und bewusst getäuscht“ hat.
Dass die Bundeswehr gebraucht wird, vollumfänglich und „state-of-the-art“ ausgestattet und personell gut unterfüttert notwendig ist, zeigt das sich wandelnde Weltbild.

Am Hindukusch Nichts Neues, Cover, kasaan media publishers, 2016
Am Hindukusch Nichts Neues, Cover, kasaan media publishers, 2016

Ministerin von der Leyen ist in dieser Funktion überfordert, ungeeignet und insgesamt die völlig falsche Besetzung . Ihre Berater wohl auch überfordert und/oder ungeeignet; wenn nicht sogar ursächlich für das Desaster.
Damit das aber noch werden kann, muss auch die Bundeswehr aktiver – will sagen: aggressiver – ihr Anliegen für uns deutlich machen. Abseits von Werbefilmchen. Zum Anpacken. Erleben.
Die Zeit ihre Notwendig voraussetzen zu können ist vorbei. Diese Einsicht muss nun erkämpft werden. Als erster neuer aber wirklicher Gegner auf dem Weg zu mehr und gutem Personal aus der gesellschaftlichen Mitte.
Und wenn das heißt die Wehrpflicht wieder einzuführen, dann ist das in einem gesellschaftlichen Umfeld, wo alles umsonst erscheinen mag, auch sozialpädagogisch sinnvoll – wenn auch sehr sehr schmerzhaft. Es tut immer weh, Menschen liebgewordene Freiheiten wieder wegzunehmen, aber wie sagte eine Ikone der Filmgeschichte: Das Wohl vieler oder das von wenigen geht immer vor dem Wohl einzelner.
Das hat Deutschland vergessen. Da müssen wir wieder hin.
Freunde, Partner und Verbündete schauen auf uns.

Bildquelle: rs, mcvth, 2019



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1 comment

Christian 6. November 2019 at 21:36

Anmerkung: Ministerin von der Leyen ist inzwischen in einer anderen Position, in der sie hoffentlich erfolgreicher sein wird. Nicht zu vergessen ist die erzieherische Funktion, die die Bundeswehr während der Wehrpflichtperiode innehatte. Gerade in der heutigen Zeit vermissen wir dies schmerzlich, da in vielen Elternhäusern Erziehung versäumt wird, was bewiesen wird durch die Zustände in Schulen und Bildungseinrichtungen, und die Bundeswehr fällt auch aus als spätere Nachholung für verpasste oder unvollständige Erziehung. Sauberkeit, Ordnung, gepflegtes Auftreten, Pünktlichkeit, Verantwortung, Hilfsbereitschaft, Pflichtbewusstsein, Respekt, Verlässlichkeit….. sind Dinge, die man im Wehrdienst gelernt oder geübt hat.

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